Nehmen wir an, die FPÖ ist eine Art Ungeheuer. Ein böser Drache aus Tolkiens Reich, der auf der Welt fortwährend Unheil anrichtet. Und wo Drachen ihr Unwesen treiben, sind natürlich Helden, der drachentötenden Profession, nie fern. In unserem Fall sehen sich akademische Linke als jene Berufenen, um dieses ultramarine Monster zu erschlagen. Die natürlich Ordnung scheint gegeben. Was will man mehr, oder?
Naja, man erwartet am Ende schon, dass das Ungeheuer erschlagen wird. Vielleicht nicht sofort, aber die Quest muss innerhalb einer gewissen Frist erfolgreich beendet werden. Doch genau das geschieht ja nicht. Ich bin ja in den Haider-Jahren aufgewachsen, kenne die Angst vor dem blauen Ungetüm also aus eigener Erfahrung. Unbesiegbar schien dieser Adonis des Populismus. Und auch seine geistigen Epigonen scheinen ähnlich mächtig zu sein.
Und die selbsternannten Drachentöter? Die akademische Linke, die sich anschickt, den Drachen zu erschlagen? Sie hat versagt. Das sage ich leidenschaftslos. Es ist einfach ein Faktum. Wenn du jahrelang mit einem Gegner gerungen hast, dieser jedoch immer und immer wieder siegreich aus den Kämpfen hervorgegangen ist, dann wissen wir eines mit Sicherheit: Die selbst ernannten Drachentöter, sind keine. Sie müssen Platz machen, ihre Wunden lecken und über ihre Niederlage nachdenken. Das läge in ihrem eigenen Interesse.
Stattdessen geschieht allerdings etwas, das mich persönlich rasend macht. Auch wenn ich mich in Resilienz und Ruhe übe, so treibt es mir immer wieder den Blutdruck in ungeahnte Höhen, wenn jene, die versagt haben, auch noch die Chuzpe besitzen und allen anderen, die sich am Ungetüm versuchen wollen, Vorschriften machen wollen. Oder sie kurzerhand selbst zu Helfershelfern des Drachen erklären.
„Du besorgst das Geschäft der FPÖ, wenn du darüber sprichst“, so oder so ähnlich tönt es dann aus diesen Kreisen. Es ärgert mich selbst jetzt, während ich nur davon schreibe, weil da unschöne Erinnerungen hochkochen. Aber bleiben wir beim Vorwurf. Wenn das so stimmt, dass also das Benennen von Problemen die FPÖ stärken würde, warum zum Teufel hat es dann die akademische Linke bis heute nicht geschafft, die FPÖ auch nur ansatzweise zu schwächen, in dem sie so lange und so konzentriert alles ausschweigen und aussparen wollte, was auch nur ansatzweise die echten Sorgen der Wähler betroffen hätte? Darauf bekommt man keine Antwort. Zumindest ich nicht.
Ich habe eine Idee (und ich bin damit nicht alleine). Die Idee, dass man das Ungeheuer gar nicht direkt erschlagen kann, sondern es aushungern müsste. Wie? Indem man jene Debattenräume wieder öffnet und weitet, die zu lange Zeit verschlossen waren. Eine Einwanderungsgesellschaft, die nur über die Sonnenseiten von Migration und Zusammenleben reden will, ist eine, die zum Scheitern verurteilt ist. Je klarer wir kommunizieren, je eher wir Probleme angehen, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Rechtspopulismus als Ganzes hungern, schrumpfen und darben wird.
Während wir dies versuchen, ist es halt ärgerlich, dass die im Drachentöten Versagenden all ihre Energie aufwenden, um Leute wie mich zu behindern, zu isolieren und zu diffamieren. Fast könnte man glauben, sie würden den Drachen gar nicht tot sehen wollen, sondern wären ganz froh darüber, dass es ihn gibt. Immerhin ist er ihre einzig verbliebene Existenzberechtigung.
Ja, die Debattenräume öffnen, wäre dringend geboten! Es gibt sie tatsächlich .. die sog. cancel-culture unter „Linken“ – Denk- und Sprechverbote gerade beim Thema Islam/Migrationspolitik, Prostitution oder dem Trans-Thema – ich habe es auch in meinen feministischen Kreisen erlebt (nur unter vier Augen bzw. Ohren wird dann offener gesprochen). Es bräuchte mehr Medien, die bestimmte problematische Entwicklungen differenziert aufgreifen; die „Aksak-Falter Kolumne“ ist wichtig, aber es bräuchte mehr … immerhin hat Armin Turnher im letzten Falter vorsichtig dafür plädiert, sich die „rechte“ Migrationspolitik in Dänemark (unter Führung der sozialdemokratischen Mette Frederiksen) doch genauer anzuschaun und nicht gleich alles zu verwerfen, weil ja dort „linke“ Politik in anderen Feldern gemacht wird … im „Falter-maily“ äußert er sich jedoch etwas verwundert oder enttäuscht, dass nicht mehr Reaktionen auf den Leitartikel gekommen sind (und fragt: der „Demokratiemüdigkeit“ geschuldet?) … vielleicht der Irritation darüber geschuldet, dass gerade im Leitartikel des Falter sowas steht … ja Debattenräume öffnen und sich differenziert und jenseits der liebgewonnenen und bequemen Denkschablonen mit den brennenden Themen befassen!
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Ja, die Debattenräume öffnen, wäre dringend geboten! Es gibt sie tatsächlich .. die sog. cancel-culture unter „Linken“ – Denk- und Sprechverbote gerade beim Thema Islam/Migrationspolitik, Prostitution oder dem Trans-Thema – ich habe es auch in meinen feministischen Kreisen erlebt (nur unter vier Augen bzw. Ohren wird dann offener gesprochen). Es bräuchte mehr Medien, die bestimmte problematische Entwicklungen differenziert aufgreifen; die „Aksak-Falter Kolumne“ ist wichtig, aber es bräuchte mehr … immerhin hat Armin Turnher im letzten Falter vorsichtig dafür plädiert, sich die „rechte“ Migrationspolitik in Dänemark (unter Führung der sozialdemokratischen Mette Frederiksen) doch genauer anzuschaun und nicht gleich alles zu verwerfen, weil ja dort „linke“ Politik in anderen Feldern gemacht wird … im „Falter-maily“ äußert er sich jedoch etwas verwundert oder enttäuscht, dass nicht mehr Reaktionen auf den Leitartikel gekommen sind (und fragt: der „Demokratiemüdigkeit“ geschuldet?) … vielleicht der Irritation darüber geschuldet, dass gerade im Leitartikel des Falter sowas steht … ja Debattenräume öffnen und sich differenziert und jenseits der liebgewonnenen und bequemen Denkschablonen mit den brennenden Themen befassen!
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es ist vor allem bedauerlich, dass man erst den Siegeszug von Kickl, Trump und Co. mitverursacht hat, nur um jetzt danach eine Spur weiter gegensteuern zu wollen (wenn überhaupt)
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Der Drachen ist alt und blad geworden. Er ist nicht mehr das Ungeheuer von früher. Er hat sich von einer Gruppe Ewiggestriger ausgehend eine gewaltige Wampe angefressen, erst frustrierte Sozialdemokraten, dann Zuwanderer zweiter Generation und zuletzt immer mehr Kleinbürger die sich nicht mehr vertreten fühlen. Jetzt sitzt er ausgefressen da und kann auch nicht mehr so, wie er mal wollte. Nebenan allerdings hat man ein neues Monstrum gefüttert, dessen Krallen schärfer denn je sind und dessen Gewicht nicht in Form einer Wampe sondern in Form hunderttausender junger beschäftigungsloser Männer in den Armenvierteln des Landes herumlungert.
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Vor allem der letzte Teil macht mir auch die größten Sorgen und keine Lösung am Horizont zu sehen
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