Die gekränkten Männer

Mannheim.
Magdeburg.
München.

Das sind keine deutschen Städtenamen mehr, sondern Tatorte des Terrors. Am Tag der Amokfahrt von München las ich gerade über den Prozessbeginn gegen den afghanischen Täter von Mannheim. Ein Mann, dessen Asylantrag abgelehnt worden war, der aber – wie so oft – bleiben konnte. Mit einem Messer bewaffnet ermordete er einen Polizisten und verletzte fünf weitere Menschen. Im Internet hatte er sich radikalisiert, seine islamistische Motivation ist unbestritten. Die Veranstaltung, die er angegriffen hatte, war eine Kundgebung eines islam-kritischen Aktivisten. So schrecklich die Tat auch gewesen ist, so „einfach“ war es, sie in einer Schublade abzulegen und den Islamismus zu brandmarken.

Der Amokfahrer von Magdeburg ist da schon sehr viel schwerer zu fassen. Ein saudischer Staatsbürger, der Asyl erhielt, aber seit langer Zeit immer radikaler geworden war. Doch nicht islamistisch, sondern anti-islamistisch. Die Frage, die uns allen seit dem aber nicht aus dem Kopf geht, ist, warum wirkte seine Amokfahrt dann so „islamistisch“? Der Saudi war wütend auf deutsche Behörden und gewisse NGOs und dann fuhr er mit einem Auto in einen Weihnachtsmarkt. Rein von der Handschrift her ein islamistisch wirkendes. Doch keine Angst, ich befeuere hier keine Verschwörungstheorie, sondern halte lediglich fest, dass der Anschlag selbst ebenso von einem Islamisten ausgeführt hätte werden können.

Wieder eine Amokfahrt, dieses Mal in München. Und der Täter ist ein abermals abgelehnter, aber in Deutschland trotzdem legal aufhältiger Afghane. Sein Auftreten auf Social Media wirkt geradezu klischeehaft banal: Migranten Macho, der sich paar Muskeln antrainiert, gerne mit Autos posiert und ansonsten das süße Leben im Westen zu genießen scheint. Und doch steht der Verdacht im Raum, er könnte ein islamistischer Schläfer gewesen sein. Denn auch sein Anschlag könnte von der Handschrift her als klassisch-islamistische Terrortat eingestuft werden.

Kaschiert Islamismus die eigentlichen Motive?

Mich beschäftigen diese drei Täter. Sie sind so unterschiedlich, zumindest scheinen sie es zu sein. Der Erste ein klassischer Islamist, der zweite ein „Anti-Islamist“, aber der letzte wiederum ein einziger Widerspruch. Ich habe vor einiger Zeit das Buch „Woke“ von Esther Bockwyt gelesen, einer psychologischen Gutachterin. Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit den psychischen Faktoren der „woken“ Welle, die über den Westen hereingebrochen ist. Doch während ich ihre Zeilen las, vor allem da sie den Aspekt narzisstischer Kränkung immer wieder hervorhebt, musste ich ständig daran denken, wie sehr mich das an jene Kreise erinnert, die ins Islamistische abdriften. Besser gesagt, an jene muslimischen Männer, für die der Islamismus der einfachste Weg zu sein scheint, wie sie sich an einer Gesellschaft rächen können, die in ihrer (falschen) Wahrnehmung Schuld an ihren Problemen ist.

Der Täter von Mannheim war beruflich gescheitert, vor dem Attentat gar arbeitslos. Der Täter von Magdeburg war zwar als Stationsarzt tätig, doch auch seine fachliche Qualifikation wurde (wohl zurecht) angezweifelt. Man nannte ihn sogar „Doktor Google“, da er selbst einfachste Rezepte wohl nicht ohne Hilfe des Internets auszustellen wusste. Auch der Täter von München war kein beruflicher Durchstarter. Und gerade wenn man sich seine Versuche ansieht auf seinen Social Media Kanälen „erfolgreich“ wirken zu wollen, könnte es ein Hinweis auf die tiefe Kränkung sein, die er empfunden haben mochte. Auf eine Gesellschaft, die ihm zwar Schutz geboten hatte, aber eben keinen nachhaltigen beruflichen Erfolg. Gewiss hatte er sich den „goldenen Westen“ in Afghanistan damals als Minderjähriger völlig anders vorgestellt.

Was ist, wenn diese drei Täter eben gar nicht unterschiedlich sind. Was ist, wenn selbst der Islamismus als Motiv nur kaschiert, aber nicht erklären kann. Was ist, wenn wir es hier mit zutiefst gekränkten Männer-Egos zu tun haben, die in einer Leistungsgesellschaft feststellen mussten, dass sie keine Durchstarter waren und wohl auch nicht mehr werden würden. Was ist, wenn da draußen hunderte, ja vielleicht tausende Männer sind, die eine ähnliche narzisstische Kränkung erleiden und mit dem Gedanken spielen, sich an unseren Gesellschaften zu rächen?

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