Der politische Mensch hinter dem Migranten

Die US-Wahl ist geschlagen, Trump hat sich sehr deutlich durchsetzen können und wir in Europa sind einmal mehr dazu aufgerufen, uns um unsere eigene Sicherheit auf unserem Kontinent zu kümmern. Aber heute geht es mir nicht um die Außenpolitik, sondern darum, wie es Trump geschafft hat, gerade sehr viele Latino-Wähler von sich zu überzeugen. Sein Mann für die Latino-Wählerschaft ist Carlos Trujillo , der ein umtriebiger, republikanischer Politiker mit Wurzeln in Kuba ist. Er gab CNN ein Interview, das mich zum Grübeln gebracht hat, weil es auch viel über unser Phänomen der migrantischen FPÖ-Wähler beschreibt.

Ich gebe das Interview sinngemäß wieder, da die Moderatorin ihn im Grunde gefragt hatte, wieso Latinos denn Trump wählen könnten, da er ja ein Rassist sei, noch dazu stark gegen Migration aus Süd- und Mittelamerika gehetzt hätte. Die Nicht-Latina Moderatorin hatte also eine Annahme darüber getätigt, wie US-Bürger mit lateinamerikanischen Wurzeln politisch geprägt sein müssten. Und ich denke, es war ihr selbst nicht klar, dass sie eine klischeehafte Annahme gemacht hatte.

Trujillos Antwort war tiefentspannt und sinngemäß wie folgt: Latinos, die legal in die USA gekommen wären, die Mühen auf sich genommen hätten, den ganzen Weg bis zum Erhalt der Staatsbürgerschaft zu erreichen und jetzt in ihrem Lebensbereich auch noch mit Kriminalität und illegalen Geschäftspraktiken illegaler Einwanderer konfrontiert wären, würden natürlich nicht zu den Demokraten tendieren. Denn das wäre gegen ihre ureigensten Interessen. Die Moderatorin war konsterniert, weil sich ihre Annahmen als grundlegend falsch erwiesen hatten.

Natürlich musste ich sofort an unsere Nationalratswahl denken. Vor der Wahl hatte mich eine Journalistin angerufen und mich zum Thema FPÖ-wählende Migranten interviewen wollen. Das Interview ist nie erschienen, besser gesagt mein Part ist nie erschienen. Der Name des Magazins tut auch nichts zur Sache. Aber was ich damals gesagt habe und heute immer noch sage und durch den Erfolg Trumps in Migranten-Milieus bestätigt sehe, ist folgendes: Wir müssen lernen den Menschen hinter dem Abstraktum „Migrant“ zu sehen – auch oder gerade in politischer Hinsicht. „Warum soll die Ivana nicht das Recht haben genauso frustriert zu sein wie die Andrea, wenn sie merkt, dass es mehr Kriminalität, weniger Sicherheit, weniger Freiräume und Chancen für sie selbst gibt?“, hatte ich besagte Journalistin gefragt. Und ich lasse sie auch an dieser Stelle so stehen. Warum sollen migrantische Wähler nicht in Eigeninteresse wählen dürfen? Migrantische Wähler sind kein Stimmvieh – weder für Linke, noch für sonst wem.

Ein Gedanke zu “Der politische Mensch hinter dem Migranten

  1. Avatar von inspiring49b52b1c26

    Ja, die einfachen identitätspolitischen Kategorien (in denen offensichtlich die Journalistin gefangen ist) reichen eben nicht (mehr) aus, um komplexe gesellschaftliche Entwicklungen und Phänomene zu erklären …

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu inspiring49b52b1c26 Antwort abbrechen