Liberal? Säkular? Moderat?

Ich will ehrlich sein. Wissenschaftliche Tagungen üben keinen Reiz auf mich aus. Sie wirken stets langatmig und zu wenig praxisbezogen. Dennoch kann man – wenn man die Geduld aufbringt – neue Impulse aufnehmen und daher zwinge ich mich ab und zu, derlei Veranstaltungen zu besuchen. Daher war ich bei der 4. Tagung der Österr. Islamkonferenz zum Thema „Islam und Pluralismus“.

Keine Sorge, das wird jetzt keine Nacherzählung, sondern „nur“ das Aufzeigen eines möglichen Problems. Zwischen den Einzel-Vorträgen wie auch den Panels fiel mir auf, wie unterschiedlich die muslimischen Wissenschaftler sich und ihre Positionierung verorteten. Die eine Wissenschaftlerin sah sich als „säkular“, der andere Wissenschaftler war „liberal“ usw. usf. Und während ich diesen klugen Menschen so zuhörte, schweiften meine Gedanken ab. Ich dachte an all die islamistischen Prediger im virtuellen Äther und wie einstimmig und vor allem klar sie zu kommunizieren pflegten. Sie selbst sehen sich einfach als „die Muslime“ – keine Zusätze, keine politischen Beimengungen. Natürlich ist dem nicht so, aber kommunikativ gesehen, ist das klüger, greifbarer und vor allem für ein nicht-akademisches Publikum auch passender.

Oder einfacher gesagt: Würde ein nach Sinn und Klarheit suchender muslimischer Jugendlicher Gefallen an einer komplexen, akademischen Debatte finden oder doch lieber weiterhin auf Tiktok den selbst ernannten Imamen folgen, die ihre banale, aber erfolgreiche Kommunikation unbeirrt fortführen? Die Antwort erscheint mir evident.

Und das beginnt schon damit, dass man seine eigenen Positionen und Selbst-Definitionen im Zweifelsfall vereinfachen sollte und sie vor allem dorthin tragen muss, wo die größten Gefahren für muslimische Jugendliche lauern. Und das ist nicht die Welt des Akademischen, sondern der virtuelle Äther. Kommunikation ist die halbe Miete, stringente Erzählungen die andere Hälfte.

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