Krux mit dem Kopftuch

Nach dem erstinstanzlichen Urteil, dem zu folge eine muslimische Religionslehrerin seitens der IGGÖ diskriminiert wurde, weil sie das Kopftuch im Unterricht nicht mehr trug, erhitzt die Gemüter. Natürlich und das ist auch richtig so. Ich will euch auch gar nicht mit noch mehr Meinung zum Kopftuch selbst behelligen, sondern euch veranschaulichen, wie verworren die interne Haltung der IGGÖ beim Thema Kopftuch ist. Mittels einer kleinen Anekdote.

Vor einigen Wochen hat Ministerin Raab ein Iftar-Essen veranstaltet. Ich war auch eingeladen und bin da natürlich hin, weil ich eben gerne beobachte und gewissen Leute nur durch meine Anwesenheit Unwohlsein bereiten will. Wie der Zufall so will, hat man mich neben einem Funktionär der IGGÖ gesetzt, den ich zu meiner Zeit als Pressesprecher schon gering geschätzt hatte. Aber sei’s drum. Zwischen uns sitzt ein feiner Herr vom Kultusamt, der quasi die Situation kalmiert. Dann gehts ums Kopftuch, also um jenen Fall, der ja jetzt erstinstanzlich entschieden wurde.

Der Funktionär holt zu einem langen, aber hohlen Vortrag aus, nur um im Grunde Folgendes zu sagen: Das Kopftuch ist a) Pflicht und b) will man ja vor allem kopftuchtragende Musliminnen „schützen“, die es auch so schon schwer am Arbeitsmarkt hätten. Lassen wir mal beiseite, dass er damit eingeräumt hatte, Musliminnen ohne Kopftuch diskriminieren zu wollen. Und seien wir mal sehr großzügig und lassen es eine „gute“ Absicht sein. Aber was ist mit den realen Konsequenzen?

Musliminnen ohne Kopftuch werden entfremdet und weggestoßen. Das ist schlecht und zwar nicht nur menschlich gesehen, sondern auch eingedenk der Tatsache, dass die IGGÖ stets für alle Musliminnen und Muslime sprechen *will*. Aber das tut sie eben nicht. Auch Musliminnen ohne Kopftuch sind vollwertige Mitglieder der Gemeinschaft. Auch wenn es die Herren der Schöpfung an der Spitze der IGGÖ nicht akzeptieren wollen.

Der „Schutz“ von Musliminnen mit Kopftuch ist ja auch viel weniger gegeben. Schlicht und ergreifend, weil das Urteil auch eine Stärkung jener Musliminnen darstellt, die – aus welchen Gründen auch immer – kein Kopftuch tragen. Auch ist die Akzeptanz und Legitimität des islam. Religionsunterrichtes weiter geschwächt worden. Die Debatten um Abschaffung bzw. um Etablierung eines „Demokratie“-Fachs sind ja da. Also selbst wenn man „gute“ Absichten gehabt haben mag, ist die Endstation wieder einmal Jammer und Tristesse.

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