Mesut Özil: Vom Integrationsmaskottchen zum Idol der Migranten

„Does my turkish heritage make me a more worthy target?“
Macht mich meine türkische Abstammung zu einem einfacheren Ziel, fragt Mesut Özil in seinem gestrigen Statement.

Er muss sich das deswegen fragen, weil ein lächerliches Foto mit Erdogan von der deutschen Öffentlichkeit zum Staatsskandal hochgejazzt worden ist, während etwa ein Foto des Ehrenspielführers der deutschen Nationalmannschaft Lothar Matthäus mit Putin kritiklos hingenommen worden war. Seine Kritik an der Unaufrichtigkeit des DFB, der deutschen Politik und Medien ist daher ein Schuss ins Schwarze. Die reflex- und bösartige Reaktion dieser Kreise ist somit auch nur folgerichtig. Sie wurden ertappt und versuchen nun eifrig ihre Schuld von sich wegzuschieben.

Mesut ist ein klassicher 10er, er bereitet Tore vor, er dribbelt, hält den Ball, aber mit seinem Statement und seinem Rücktritt hat er aus dem Stand ins Kreuzeck geschossen, getroffen und die deutsche Fußball-Nation damit ins Tal der Tränen gestürzt. Daher ist auch der Versuch seiner Kritiker, sich weiterhin am Foto mit Erdogan fest zu krallen, im Grunde Ausdruck ihrer Verzweiflung. Denn ich habe gestern aufmerksam die User-Kommentare auf der FB-Seite Mesuts mitgelesen und war erstaunt mit welcher Selbstgerechtigkeit und auch Schamlosigkeit seine Kritiker so weit gingen, Erdogan tatsächlich mit Hitler zu vergleichen. Ja, richtig gelesen. Statt sich mit der Kritik Özils sachlich auseinanderzusetzen, sind seine Kritiker nun sogar bereit das Dritte Reich und Adolf Hitler zu verharmlosen.

Es ging nie um Erdogan. Erdogan ist für viele nur eine dankbare Projektionsfläche für ihren anti-muslimischen und anti-türkischen Rassismus. Davon wissen Deutsch- und Austro-Türken mittlerweile nicht nur ein Lied, sondern eine ganze Oper zu singen. Und dennoch halten jene Kreise, die im Grunde eine rassistisch durchtränkte Debatte im Hinblick auf Integration, Türken und Muslime führen wollen (hier wie auch in Deutschland) an ihrem unaufrichtigen Zugang fest. Doch niemand glaubt ihnen. Niemand von den Betroffenen, außer den wenigen Haus- und Hof-Migranten des polit-medialen Zirkus, denen sie selbst jede Glaubwürdigkeit genommen haben, glaubt ihnen mehr. Das wissen sie, das spüren sie. Und das macht erfolgreiche Migranten wie etwa Mesut Özil so gefährlich für sie. Denn sie können sie nicht so kontrollieren, wie sie den gemeinen Ali oder Ivan kontrollieren. Die rächende Peitsche der Mehrheitsgesellschaft reicht nicht einfach weit genug um Mesut zu treffen.

Mesut hat über 30 Millionen Fans auf seiner FB-Seite. Er ist sportlich nicht auf Deutschland und seine Nationalmannschaft angewiesen, er ist eine Marke. Und wenn er nun das ausspricht, was wir Tag für Tag in Deutschland und Österreich erleben. Die Verlogenheit, den Rassismus, die Rückgratlosigkeit der polit-medialen Elite dann ist Mesut eben mehr als ein weiterer Migrant, der sich – zurecht – beschwert. Er ist ein gigantischer Spiegel für jene Menschen, die sich vom Leid und von der Diskriminierung migrantischer Menschen zwischen Berlin und Wien „ernähren“. Und sie können ihn eben nicht mundtot machen.

Deswegen ist seit gestern der Fußballer Mesut Özil für hunderttausende migrantischer Menschen ein Vorbild geworden, auch abseits des Sports. Weil er den Mut aufgebracht hat, dem alltäglichen und allgegenwärtigen Rassismus der Mehrheitsgesellschaft den Mittelfinger zu zeigen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s