Haben die Austro-Türken Erdogan zum Sieg verholfen?

Zunächst muss man sagen, dass nicht DIE Austro-Türken abgestimmt haben, sondern nur jene mit türkischer Staatsbürgerschaft und dann auch nur jene, die dann tatsächlich hingegangen sind. Das sind im Fall Österreichs knapp 50.000 Leute gewesen.

Wenn man also das starke Ergebnis für die “Ja”-Kampagne in Österreich her nimmt, kann man damit nur Rückschlüsse auf diese klar umrissene Wählergruppe bekommen.

Ich werde dennoch ab jetzt von “den Austro-Türken” schreiben, um die Stimmung und den Grad der Reflektion der Polemiker aufzufangen. Haben also die bösen Austro-Türken Erdogan zum Super-Präsi gemacht?

Nein. Das Ergebnis aus Österreich war klar, aber nicht entscheidend.
Das gilt übrigens für alle Auslandsstimmen weltweit. Sie waren auch nicht entscheidend.

Einfaches Rechenbeispiel:

Das vorläufige Endergebnis in der Türkei gibt uns folgende Zahlen zum Durchspielen.

Die Differenz zw. “JA” und “NEIN” beträgt 1.379.934 Stimmen.
Die Auslandsstimmen betragen in Summe 1.406.573 Stimmen.
Davon sind allerdings 831.043 Stimmen für “JA” und 575.288 “NEIN” Stimmen darunter.
Das heißt die Differenz, der Bonus für das “JA” Lager beträgt 255.755.

Also selbst ohne die Auslandsstimmen wäre das “JA”-Lager immer noch mit ca. 1 Mio. Stimmen voraus. Es erübrigt sich natürlich an dieser Stelle die Stimmen aus Österreich in die Waagschale zu werfen, denn sie würden in diesen Größenordnungen verpuffen. Die Auslandsstimmen, die gerade in Europa sehr kritisch gesehen werden, haben zwar ein Gewicht, aber das ist eher ergebniskosmetischer Natur.

Kommen wir nun zum Teil, der mir persönlich teuflische Freude bereiten wird.

Wenn also die Auslands-Türken Erdogan nicht zum Super-Präsi gemacht haben, wer denn dann? Tja, die Antwort darauf wird insbesondere die Öcalan und PKK-Fanboys und -girls wild machen, aber die Zahlen lügen nicht.

1.226.000 Stimmen hat die “JA” Kampagne nur aus den Gebieten mit kurdischer Bevölkerungsmehrheit bekommen. Erinnern wir uns an den Abstand zw. “JA” und “NEIN”-Lagern, der 1.379.934 beträgt. Et voila.

Denn auch wenn im Südosten des Landes die Mehrheit mit “NEIN” gestimmt hat, war das Ergebnis der “JA”-Kampagne, das man mit den Ergebnissen der AKP in der letzten Parlamentswahl quer lesen kann (weil im Südosten quasi nur HDP gegen AKP antritt), außerordentlich gut.

So gut, dass man die teils dramatischen Ergebnisse in den westlichen Metropolen doch auffangen konnte. Diese Einschätzungen und Gedankenspiele werden in der Türkei gerade durchdekliniert. Ob etwas davon auch zu uns überschwappt, wage ich zu bezweifeln. But we’ll see.

Quellen und Links:

http://www.aljazeera.com.tr/al-jazeera-ozel/evete-kurt-secmen-katkisi

http://referandum.ntv.com.tr/

http://www.yenisafak.com/secim-referandum-2017/dunya-secim-sonuclari-referandum

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