Wut und Geduld

Mich haben einige enttäuschte und wütende Reaktionen erreicht. Es sind Nachwehen der Beschimpfung durch die grüne Nationalrätin Aslan. Manche sind offenbar enttäuscht, weil ich eingeknickt und es für die Mandatarin ohne Konsequenzen geblieben sei. Andere wiederum sind erbost, weil ich Kommentare gelöscht habe, die die Abgeordnete in die Nähe der Terrorgruppe PKK gerückt hatten. Fangen wir mit dem ersten Punkt an.

Das Leben ist selten fair. Natürlich bin ich nicht eingeknickt, noch wurde ich dazu genötigt, eine Entschuldigung von Frau Aslan anzunehmen. Wie sollte das auch gehen? Man kann man mir viel vorwerfen, aber zu wenig an Sturheit gewiss nicht. Meine diplomatische Herangehensweise hat einen einfachen Grund. Ich muss mit diesen Leuten, diesen Parteien, diesen Kreisen morgen oder übermorgen wieder arbeiten. Und es kommt leider immer vor, dass sich Politiker im Ton ihrer Kritik vergreifen. Offensichtlich sind auch die Grünen vor diesen rauen Sitten nicht gefeit. Aber als Journalist sollte man im Umgang mit derlei Vorkommnissen “diplomatisch” sein. Ob das fair ist? Nein, aber das ist das Leben selten.

Ich kann mich noch gut an meinen Geografie Lehrer am Gym erinnern. Ein FPÖler durch und durch. Er mochte mich nicht, weil eh scho wissen. Aber was will man machen? Gewalt als Option fällt weg, außerdem war er ein kräftiger Kerl, der sich gewiss gut geschlagen hätte. Also musste ich mir etwas einfallen lassen, wie ich die Gemeinheiten erdulden kann. Noch dazu war es so, dass einige Mitschüler seine Haltung mir gegenüber offen goutierten. Das heißt, ich konnte mich auch nicht auf meine Mitschüler verlassen. Man war auf sich gestellt, ihr kennt das ja. Also was tun? Aufgeben? Vielleicht doch mal die Gewaltoption probieren? Nein.

Die Wut in etwas Positives umformen. Ich habe gelernt. Ich habe alle Länder, ihre Hauptstädte, Gesamtflächen und Einwohnerzahlen auswendig gelernt. Jedes noch so kleine und unscheinbare Land vermochte ich blitzschnell auf der Landkarte zu finden. Das imponierte selbst dem Lehrer. Er mochte mich nicht, aber er musste meinen Ehrgeiz anerkennen. Und meine Wut hatte mich dorthin gebracht.

Warum ich euch das erzähle, ist einfach. Ich will nicht und wir dürfen nicht so sein, wie man uns haben und sehen will.
Man will uns ungebildet?
Gut, dann werden wir uns hoch bilden.
Man will uns als fünfte Kolonne Ankaras hinstellen?
Gut, dann werden wir beweisen, dass dem nicht so ist.
Man will uns wütend machen und uns zu Fehlern verleiten?
Gut, dann werden wir nicht darauf reinfallen.

Ein steiniger Weg ist das, ein mühseliger. Doch am Ende kann man mit Geduld und Fleiß selbst den Schamlosesten noch die Schamesröte ins Gesicht treiben. Süßer Triumph.

Kommen wir zum zweiten Punkt. Ich habe Kommentare gelöscht, weil etwa der Satz “Aslan ist eine PKKlerin” in einem allfälligen Prozess schwer zu beweisen wäre. Und die Beweislast läge bei den Urhebern. Außerdem sind solche persönlichen Angriffe genau so abzulehnen, wie jener der Abgeordneten gegen mich. Man soll ja mit gutem Beispiel voran gehen.

Ich schreibe diese Zeilen, in der Hoffnung, dass ihr meine Worte achten und gelten lassen werdet. Uns allen viel Geduld.

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