Atmosphäre der Angst

Journalismus in Österreich kann Spaß machen und erfüllend sein. Als migrantischer Journalist in Österreich kann man sehr viel hören, sehen und erleben. Ein paar Jahre Journalismus hab ich bereits auf dem Buckel und hätte bereits genug Stoff, um ganze Bücher zu füllen. Doch heute will ich lediglich eine Anekdote teilen – aus aktuellem Anlass.

Ich wollte ja ursprünglich Journalist werden, weil ich jenen eine Stimme geben wollte, die in unserer Gesellschaft keine haben. So kitschig, so gut. Aber immer wenn ich Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen geübt habe und damit leider Politiker und auch KollegInnen gegen mich aufgebracht habe, ist etwas Bemerkenswertes geschehen. Ich wurde nicht kritisiert, auch nicht argumentativ „zerlegt“.

Ich bekam nur eines zu sehen und zu hören: Ich sei ein „Islamist“, „Nationalist“, „Integrationsverweigerer“, „Reaktionärer“, ein „Jihadistenversteher“, ein „Grauer Wolf“, ein „IS-Sympathisant“, ein „Erdogan-Fan“, ein „orientalischer Macho“ usw. usf. Die Art der Anschuldigungen folgten und folgen dabei eisern den Winden der politischen Großwetterlage – natürlich.

Und wer jetzt denkt, ich sei einfach nur im höchsten Maße schizophren, wird enttäuscht werden müssen. Es ist einfach nur dreckiger Stil und dient dazu kritische Debatten im Keim zu ersticken. Migrantische JournalistInnen können nicht nur ein Lied darüber singen, sondern ganze Opern damit füllen.

Ein aktueller Fall: Ein selbsternannter Liberaler wütet auf Twitter in rassistischer Reinkultur. Ich weise nüchtern darauf hin. Aber statt über diesen Selbstdarsteller, dessen Name keine Rolle spielt, zu sprechen, kommt meine Wenigkeit in den Bannstrahl. Ein Kollege von mir wird angerufen und gefragt: „Dieser Aksak ist schon ein radikaler AKPler, oder?“ [ja, in dieser Suggestiv-Form]

Erwischt, puh. Schayze.

Also liebe Jungjournalisten, stellt die etablierten Leute im Land nicht in Frage, dann bleibt euch deren spezielle Zuwendung erspart. Oder macht es so wie ich: Bleibt ein Stachel im Fleisch der Selbstgefälligen.

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