Genozid oder doch kein Genozid?

Die Verwirrung darüber, ob die deutsche Regierung sich nun von der eigenen Armenier-Resolution verabschieden wird oder nicht, oder zumindest ein wenig, zeigt nur eines auf:

Der Beschluss war von Anfang an ein Fehler.
Denn historische Ereignisse sollten niemals am Altar des politischen Alltags behandelt werden. Das habe ich bei der Verabschiedung der Resolution gesagt und bleibe dabei. Natürlich darf und soll jedes Land historische Ereignisse selbstständig und autark bewerten dürfen. Man darf und muss es aber kritisieren, wenn solche Bewertungen im Zuge diplomatischer Krisen zum Spielball realpolitischer Interessen gemacht werden. Das ist im Fall der Fälle nicht nur ethisch fragwürdig, sondern auch politisch unklug. Denn wer soll der nächsten Resolution im deutschen Bundestag zu historischen Ereignissen noch Glauben schenken?

Wenn der deutsche Bundestag also die Geschehnisse im Jahr 1915 als Genozid bewerten will, dann stand ihm das stets frei. Diese Bewertung aber als politischen Seitenhieb einzusetzen, war von Anfang an minderintelligent. Ob die Türkei der EU beitreten will, ob der Flüchtlingsdeal zwischen der Türkei und der EU steht oder fällt, all das hatte und hat mit dem Jahr 1915 einfach nichts zu tun.

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