Von Kindergärten und Terrornestern

Wer in Österreich am politischen Leben teilnehmen will, muss vor allem eines mitbringen: Heiterkeit. Denn anders kann man die in der Regel irrsinnigen Momente nicht ertragen, ohne dabei den Verstand zu verlieren oder ernsthaft an der Demokratie zu zweifeln.

Daher versuche ich mich in heiterer Gelassenheit zu üben, auch wenn die kleine Welt um mich herum (das politische Wien) zuweilen den Verstand zu verlieren scheint.

Ja, die Rede ist von Wiener Kindergruppen mit muslimischen Trägervereinen. Wer hätte gedacht, dass wir uns mal so lange und so intensiv über Kindergruppen unterhalten werden. Das ganze Land hyperventiliert regelrecht, weil man nicht weiß, aber zu glauben scheint, es sprießen hunderte kleiner Terrornester aus dem (Wiener) Boden. Hui.

Naivität

Zunächst wollte ich ja gar eine inhaltliche Analyse des Falter-Interviews mit Studienautor Ednan Aslan hier reinstellen. Ich, Naivling! Wem geht es denn in dieser Causa um das eigentliche Problem? Kaum jemanden. Nicht so lange Spießbürger-Kulturkampf (vom heimischen PC aus, eh klar) und politische Ränke zwischen zwei siechenden Volksparteien zur Wahl stehen. Wen interessiert es da bitte, ob das Interview mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet hat? Kaum jemanden.

Daher ist an dieser Stelle eine Entschuldigung meinerseits unumgänglich. Sorry, ich hätte tatsächlich eure und meine Zeit damit verschwendet Inhaltliches zu produzieren und ihr hättet das alles auch noch lesen müssen. Sorry – echt jetzt. Gerade als österreichischer Journalist kann man sich vieles leisten (ja, wirklich vieles), nur eben keine Naivität.

Nachwuchs-Jihadis in Pampers

Ob muslimische Kindergruppen (ja, ich weiß, aber so ist’s kürzer) die Kopfabschneider von morgen züchten wissen wir nicht. Aber wir fühlen es und das ist ungleich stärker und wichtiger. Den Rest besorgen uns Krone und ihr zuspielende politische Akteure (nein, der Faymann ist’s dieses Mal nicht). Ob irgendeiner der erwachsenen Kopfabschneider aus Österreich in Syrien jemals eine muslimische Kindergruppe besucht hat, ist wurscht, außer er hat tatsächlich eine muslimische Kindergruppe besucht, denn dann hätten wir ja ein Argument in der Hand. Schau ma mal, was die Krone da so produzieren wird die nächsten Tage und Wochen.

Aber ich will nicht nur der Mehrheitsgesellschaft reinen Wein (ist kein Wein, nur Traubensaft – Alkoholverbot eh scho wissen) einschenken, auch meine geschätzten Mitmuslime sollen in den berauschenden Genuss meiner Heiterkeit kommen:

In schwachen Momenten überkommt mich ja Mitgefühl für eine ganz und gar groteske Anwandlung meiner Mitmuslime. Denn dann ziehen sie sich in den Kokon der Wehklagerei und in den Schoß der Unmündigkeit zurück, denn dort ist’s halt so gemütlich. Probleme in den eigenen Reihen? Gibts nicht! Agitatoren, Frauenverachter und Extremisten? Reden wir lieber über Islamophobie und die herrlichen Errungenschaften der frühen Muslime! Man muss ja nur alles Schwierige ausblenden, dann vergehen die Probleme von selbst oder auch nicht, aber wen juckts, solange ich auf Facebook das Leid der Muslime weltweit beklagen kann – ohne dabei auch nur einen einzigen Schritt außer Haus zu setzen. Spießbürger von morgen, ich sags euch, nur halt keine katholischen/agnostischen/atheistischen, sondern ihre muslimischen Nachahmer. Im warmen Kammerl lässt sich’s halt gut in die Tasten hauen. (In meinem Kammerl will die Heizung grad nicht anspringen)

Kriminalität und Integration

Die Polizei stürmte heute die Räumlichkeiten eines muslimischen Trägerverbandes. Die Krone war zufällig gerade vor Ort und konnte dann exklusiv berichten. Die sind halt immer unterwegs die KollegInnen, wahrscheinlich weil ihre Hunderl immer so viel Auslauf brauchen. Wir schweifen ab, zurück zur Stürmung: Die Polizei stürmt also die Räumlichkeiten und stellt Akten sicher. Und warum gehts? Hat dort jemand kurz vor Feierabend ein Schaf geschächtet oder hat man vom Kopfabschneider-Kalifat in Raqqa Lehrvideos für die Nachwuchs-Pampers-Jihadis (im Volksmund auch Kleinkinder genannt) gezeigt? Das hat man bestimmt, aber der Polizei ging es um den Verdacht des Betrugs mit Fördergeldern. WIE BITTE? Ja, Betrug, dem Vereinsleiter wird vorgeworfen, er habe die Stadt Wien um Fördergelder geprellt. Eigentlich schade, denn das zieht nicht so gut wie Kopfabschneiden, Schafe schächten oder halt mal Penisse von männlichen Kindern küssen (ja, sorry, lieber Falter, aber das musste sein). Stinknormaler Betrug. Klingt vertraut? Ist es auch. Und daher schlage ich folgendes vor…

INTEGRATIONSPREIS FÜR DIE VEREINSFÜHRUNG !

denn (natürlich gilt die Unschuldsvermutung, das soll ja nur Satire sein) offenbar handelt es sich in diesem Fall um eine herausragende Form der Integration. Man hat dort verstanden wie Österreich funktioniert und wie man erfolgreich werden kann, also sich „integrieren“ kann.

Und der Verein soll jetzt bestraft werden? Warum eigentlich? Seit wann wird Korruption und das „Privatisieren“ von öffentlichen Geldern in Österreich so ernst genommen? Haider, schau ocha!

Fazit

Österreich ist ein Irrenhaus und das Schlimmste daran: Die Irren sind hier glücklich.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s