Zur Causa Oliver N. alias Abu Muktail al Almani

Oliver N. ist jung. Selbst nach seiner Odyssee ins IS-Land zwischen Aleppo und Bagdad ist er noch jung. 17 Jahre jung und hat schon einiges hinter sich. Einige seiner inneren Organe fehlen. Verheiratet und wieder geschieden ist er auch schon. Heute begann sein Prozess in Wien. Dazu will ich ein paar Gedankenfetzen niederschreiben, die den Rahmen für einen TV-Nachrichtenbeitrag eben sprengen:

Die Sicherheitsvorkehrungen waren gering. Gering im Vergleich zum Prozess der ausreisewilligen 10er Gruppe. Keine Sicherheitsschleuse, keine maskierten WEGA Beamten. Ich kam ohne meinen Pass zu zeigen in den Gerichtssaal. Obwohl Oliver N. tatsächlich ein IS-Mitglied (höchstwahrscheinlich auch Kämpfer) ist und seine Informationen die Netzwerke der einheimischen IS-Sympathisanten zu Fall bringen könnten (!).

Apropos IS-Netzwerke in Wien und sonstwo im deutschsprachigen Raum. Ich habe heute den Anwalt des Angeklagten Blaschitz interviewt und ihn gefragt, ob sein Mandant denn die Netzwerke des IS zu Fall bringen wolle. Die Antwort war verstörend: Oliver N. habe es angeboten, doch die Ermittler hätten kein allzu großes Interesse daran gezeigt.

In concreto: Es gibt eine afghanischstämmige Person in Ö, der Name dieser Person fällt in mindestens zwei IS-Prozessen und spielt dabei stets eine zentrale Rolle. Organisation, Logistik, Rekrutenanwerbung: Und dennoch will man lieber einen Fußsoldaten drankriegen, der sich ohnehin freiwillig gestellt hat. Die Verantwortlichen müssen es besser wissen.

Auch wenn es Teil der Verteidigungsstrategie ist: „Wenn ich eine Yoga Gruppe kennengelernt hätte, wäre ich heute Yoga-Anhänger“, sagt Oliver N. auf die Frage, warum er sich für den Islam entschieden habe. So fußt sein Wissen von Anfang an (geradezu klischeehaft, aber zu oft treffend) auf Internetrecherche und 1-2 (Jung)scheichs in der nächstbesten Hinterhofmoschee. Bsp.: Er konnte heute nicht sagen, dass er mit der so genannten „Schahada“, dem islamischen Glaubensbekenntnis, in den Islam eintrat. Er beschrieb es mit: „man sagt eben die 1-2 Sätze auf Arabisch und Deutsch“. Doch das Bekenntnis ist auf Arabisch – nur auf Arabisch.

Oliver hat sich selbst den pathetischen Kampfnamen „Abu Muktail al Almani“ gegeben: Vater des Kämpfenden, der Deutsche. Doch seine Arabischkenntnisse blieben selbst in einer arabischsprachigen Umgebung dürftig. So weist ihn das Gericht darauf hin, dass er in seinem berüchtigten „Schlachtervideo aus Raqqa“ den Singular und Plural von Kafir/Kuffar falsch anwendet [Kafir=Ungläubiger, Kuffar=Ungläubige]. Eine Kleinigkeit gewiss, doch sie mag mehr an Bedeutung tragen. So reiht sich Oliver nahtlos in eine lange Reihe von religiösen Analphabeten, deren halbherzige Internetrecherchen zu keinem Zeitpunkt vertieft werden. [Und nein, das IS-Indoktrinierungslager soll kein Wissen vermitteln, sondern hörige Kämpfer schaffen]

Abu Ghraib. Zwei Worte, eine Stadt im Irak. Doch in den Augen der Muslime steht sie für so viel mehr. Die Fotos von gefolterten und gedemütigten Irakern brannten sich in das kollektive Gedächtnis eines ganzen Kulturkreises. Auch Oliver kannte die Videos/Bilder aus dem berüchtigten Abu Ghraib Gefängnis. Was er allerdings nicht kannte, war der Name des Gefängnisses. Den hörte er (vermutlich) heute zum ersten Mal in einem Wiener Gerichtssaal. Obwohl man ihm eben jene Folterbilder/-videos gezeigt hatte, und dies mitunter einer der Gründe war, warum er ins IS-Gebiet aufbrach.

Sex und Jihadismus. Ich muss zugeben, dass ich durch die Lektüre Oriana Fallacis „Die Wut und der Stolz“ geprägt worden bin. Zusammengefasst: Die islamische Welt leidet an einem kollektiven Samenstau, der Islamismus ist ein Symptom dessen (brachial zusammengefasst). Seit damals schalte ich auf Durchzug, wenn ich Sex & Islam höre. In manchen Momenten/Szenarien möglicherweise zu Unrecht. Allein wenn man sich die heimischen IS-Prozesse ansieht, dann spielt Sex und Sexualität eine dermaßen prominente Nebenrolle, so dass man es nicht ignorieren kann. Ich will nicht weit ausholen, nur ein kurzes Beispiel anführen: Oliver war verheiratet, ließ sich scheiden und während er in einem Krankenhaus schwer verletzt war, hatte er sich schon wieder verlobt und schrieb seiner Angebeteten, wie gerne er mit ihr schlafen würde. In concreto: Oliver ist noch pubertierend, viele junge Männer sind das ebenso und auch wenn sie sich für Jihad & Co. entscheiden, heißt das nicht, dass sie ihre Hormone, ihre Gelüste und all das, was uns alle begleitet, ablegen können. Sex und Jihad, das ist ein Thema. Das sehe ich nun ein und schließe somit meine Beitrag.

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