Wie man in Österreich ein “Salafisten-Star” wird

Mohammed Mahmoud (besser bekannt als Mohammed M.) und Mirsad Omerovic (besser bekannt als “Ebu Tejma”) sind Produkte medialer Hysterie. Ihre Bekanntheit in der österreichischen Mehrheitsgesellschaft, aber insbesondere in der (deutschsprachigen) Salafi-Szene beruht auf ihrem Spiel mit dem Boulevard. Das gilt vor allem für den Fall Mohammed M.

Vieles wurde und wird über ihn gesagt, aber ein Aspekt wiederholt sich beständig: Er sei ein Selbstdarsteller, ich las sogar einmal in einem Forum, er sei eine “mediengeile Nutte”. Nicht meine Worte, aber die Kritik aus dieser Richtung hält sich hartnäckig. Daher ist es geradezu logisch, dass sich Mohammed M. ins IS-Gebiet abgesetzt hat. Ihn hat es also zu einer Gruppe hingezogen, die für die Verquickung von Terrorismus und professioneller Medienarbeit steht.

Und seinen Wert für seine neuen Oberherren vom IS konnte Mohammed M. (alias Abu Usama al-Gharib) gleich beweisen, in dem er auf die Berechenbarkeit des heimischen Boulevards setzte. Gerade das aktuelle Beispiel kann hier als besonderes Exempel herangezogen werden:

Unsere geliebte Krone kam gestern mit einer Geschichte über Mohammed M. Sie bezog sich dabei auf ein Youtube Video, das ihn und den Ex-Rapper “Deso Dogg” in Syrien beim Zuckerl verteilen zeigt. Man könnte meinen, die Krone habe hier ein eigenes Team, das das WWW nach Jihadisten Videos mit Heimatbezug screent. Das will ich nicht ausschließen.

Man darf allerdings auch nicht ausschließen, dass Mohammed M. das macht, was er auch im Vorfeld des Terrorprozesses im Jahr 2007 gemacht hatte: Proaktive Medienarbeit. Oder um es deutlicher zu machen: Mohammed M. schickt seine Videos an (reichweitenstarke!) Boulevardmedien und weiß, dass man diesen Videos kaum widerstehen wird können.

Wenn man sich zum Beispiel den Youtube Account ansieht, den die Krone verlinkt hat, dann kann man feststellen, dass der Account den klingenden Namen “Abu istegal” trägt, ein Account ist, den es erst seit dem November ‘14 gibt und nicht mehr als 18 Follower hat (und das wahrscheinlich dank der Krone Story). Zur Erinnerung: Pro-IS Accounts hatten und haben (Youtube geht gegen diese Accounts vor und löscht sie) viel mehr Follower und die IS-Videos selbst sind auch von einer anderen Qualität und Bildästhetik.

Der Gedanke liegt also nahe, dass Mohammed M. sich nach wie vor auf die heimischen Medien verlassen kann und sich somit selbst pusht. Also genau das macht, was er seit jeher gemacht hat: Selbstdarstellung.

Und somit erscheinen folgende Zeilen auch in einem anderem Licht: “Mohamed M., in Wien geborener Sohn ägyptischer Einwanderer, gilt als Radikalislamist, der auch Einfluss auf Salafisten in Österreich und Deutschland ausübt.” Diesen Einfluss ermöglichen ihm dankbare Redakteurinnen, die immer auf der Jagd nach guten Salafisten/Jihadisten Geschichten sind – würde ein missgünstiger Mensch nun denken.

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