Was man aus Todenhöfers „Propagandavideo“ lernen kann

Link zum Video (ab Minute 7:30)

Auch wenn sich Moralapostel nicht belehren lassen werden, so sind auch vermeintliche Propagandavideos der IS bzw. Videos über die IS ausdrucksstärker als es (auf den ersten Blick) den Anschein hat. So bewerte ich das erste Video-Interview Todenhöfers mit einem deutschsprachigen IS-Kämpfer tendenziell positiv. Denn auch wenn sich natürlich eine Organisation in solch semi-freien Interviews vor allem profilieren will, so kann sie nicht umhin Fehler zu machen oder gar ungewollt Dinge offen zu legen, die sie vllt. gar nicht offen legen will.

Die IS-Rückkehrer in Europa: Die große Unbekannte

Da steht ein beleibter, deutschsprachiger Konvertit in der ehemals irakischen Metropole Mosul und schwadroniert vor sich hin. Todenhöfer fragt ihn, wie sie denn zu den Rückkehrern stünden, die uns in Europa wiederum (zu Recht) nervös machen. Überraschenderweise lässt der Konvertit die Möglichkeit aus und reklamiert nicht etwa alle Rückkehrer als IS-Schläfer (selbst wenn unwahr, gute Möglichkeit zu Propaganda!), sondern fordert die Rückkehrer gar zur Reue und zur erneuten Rückkehr in den Islamischen Staat auf. Das ist eine sehr wichtige Aussage, die von den Allermeisten wohl überhört worden sein muss.

Denn auch wenn einige Rückkehrer in Europa tatsächlich als Schläfer gewertet werden müssen, so sind die Gründe für eine Rückkehr (oder auch Flucht) aus dem Islamischen Staat zweifelsohne mannigfaltig. Manche bekommen Bammel nach der ersten Fronterfahrung oder sind gelangweilt da sie eben nicht als Frontkämpfer, sondern etwa in Nachschubkolonnen oder gar Aufräumtrupps eingesetzt werden. Manche merken, dass der junge Staat ihren naiven Vorstellungen nicht entspricht usw. usw.

Conclusio:

Verstehen und nicht etwa Verständnis sind wichtig, um eine komplexe Problematik wie das der  europäischen Jihadisten zu entschlüsseln. Falsch verstandene Moral (unter KollegInnen) oder gar kämpferische Polit-Propaganda sind schädlich und sogar dümmlich. Denn auch die übelste Propaganda kann vielsagend sein, wenn richtig gelesen und im Falle Todenhöfers handelt es sich aber auch nicht um Propaganda, sondern um Journalismus unter sehr schwierigen Bedingungen.

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