Erreicht Medienkrieg zw. AKP und Gülen Wien?

Es gibt einige türkischsprachige Zeitungen mit Sitz in Wien. Die meisten von ihnen sind eigenständig, sind also keine Zweigstellen türkischer Zeitungen oder Verlage. Mit der Auseinandersetzung zwischen der AKP und Gülen in der Türkei, etablierte sich dieser Konflikt auch im medialen Bereich: Das Gülen’sche Flaggschiff ZAMAN ist die meistverkaufte türkische Tageszeitung und die einzige, die mittlerweile die Millionnenmarke geknackt hat. Danach kommen aber bereits – vom AKP Umfeld kontrollierte/finanzierte – Tageszeitungen, die man in der Türkei mittlerweile abschätzig als „Pool-Medien“ bezeichnet.

Es würde den Rahmen sprengen, den Begriff „Pool-Medien“ zu erklären, daher ist nur kurz zusammenfassend zu sagen, es handelt sich um Medien, die direkt (durch AKP-nahe Geschäftsleute) oder indirekt (durch finanz. Zuwendungen in Form von Inseraten – Österreich lässt grüßen) als mediale Sprachrohre der AKP auftreten. Hier gibts eine Kostprobe zu lesen, wie man sich das in etwa vorstellen muss.

Situation in Wien

Mit dem Streit zwischen Gülen und der AKP rissen auch die Gräben hier in Wien und Österreich auf und zwar nicht nur auf gesellschaftlicher Ebene, sondern eben auch auf medialer. War die ZAMAN Österreich vor wenigen Monaten noch das Prunkstück der konservativen Türken und auch von der Mehrheitsgesellschaft entsprechend wahrgenommen, ist sie mittlerweile – in den Augen der AKP-nahen Kreise – die Bastion des Bösen. Der mediale Kleinkrieg, der nicht nur mittels Leitartikeln und Interviews geführt wurde und wird, bekommt nun langsam eine ähnliche Schärfe wie der in der Türkei. Noch dazu scheint es so, dass der (nicht ganz selbstlose) Einsatz der Wiener Zeitungen „Yeni Hareket“ und „Pusula“ im Zuge des Erdogan Besuchs in Wien, für Anerkennung und Aufmerksamkeit gesorgt hat.

Eine jener Zeitungen, die am aggressivsten (und niveaulosesten) für Erdogan publizieren, ist mit Sicherheit die „Yeni Akit“. Die Akit (später „Yeni Akit“) ist eine Zeitung, die aus dem  Milieu der Milli Görüs stammt, auch wenn sie keine unmittelbare Parteizeitung war. Ihr Deutschland Ableger wurde 2001 übrigens verboten, aufgrund ihrer Tiraden gegen den Westen und/oder Juden. Diese Zeitung ist von den Erdogan-treuen Zeitungen auch jene, deren aggressiver Stil (samt antisemitischer, antiwestlicher Tiraden) ihr einen Platz an der Sonne beschert hat. Schließlich entging dem engeren AKP-Zirkel der beinahe fanatische Einsatz der Zeitungsverantwortlichen nicht. Und die Yeni Akit wiederum hat nun den beinahe fanatischen Einsatz der beiden Wiener Zeitungen entdeckt und gepriesen:

yenihareketDa man sich den schwülstigen Inhalt ja denken kann, erspar ich mir die Mühe mit der Übersetzung. Und mit dieser Anerkennung aus der Türkei reagierte die Pusula umgehend und fühlte sich bestärkt. Sie kündigt nun für die bevorstehende Ausgabe ein umfassendes Dossier über die Gülen-Anhänger (Zaman Österreich im Hinterkopf behalten) an und unterstellt diesen ganz offen Dinge wie „Erpressung“, „Nötigung“, „Falschaussagen“,… und vieles mehr.

Fazit

Warum schreibe ich das alles? Der Kleinkrieg an sich brodelt schon seit einiger Zeit dahin und auch der Umstand, dass AKP-nahe Zeitungen in Wien Anerkennung und Gehör aus der Türkei bekommen, mag zunächst nicht wahnsinnig relevant erscheinen. Doch möglicherweise werden wir gerade Zeugen einer Entwicklung, die uns in Österreich noch beschäftigen kann und wird. Und es wird uns dann gewiss beschäftigen, wenn nicht nur Anerkennung fließt, sondern auch Geld und Protektion. Denn dann können diese Zeitungen (und deren politische Dunstkreise) die Stimmung innerhalb der Community noch intensiver beeinflussen. Und dann werden beim nächsten Erdogan Besuch nicht 12.000 sondern vllt. 20.000 Menschen angereist kommen.

Pusula

 

 

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