Erdogan: Prinz der „Schwarzen Türken“

Der heutige Ministerpräsident Erdogan wuchs unter ärmlichen Verhältnissen im Istanbuler Arbeiterbezirk Kasimpasa auf. Die Landflucht aus den anatolischen Provinzen nach Istanbul markierte einen Wendepunkt in der Geschichte der türkischen Republik. So schwoll Istanbul spätestens mit den 1960ern zu einem Moloch mit vielen Armenvierteln (türk. „Gecekondu“) an. In diesen Gecekondus lebten die anatolischen Binnenmigranten, die zumeist religiös-traditionell orientiert waren und keine eigene Lobby in der türkischen Politik hatten. Die so genannten „Schwarzen Türken“ blieben die ungeliebten Außenseiter der türkischen Gesellschaft, bis sich einer der ihren 1994 zum Oberbürgermeister Istanbuls aufgeschwungen hatte. Dieser Politiker, der sich zum Sprecher dieser Marginalisierten gemacht hatte, hieß Recep Tayyip Erdogan.

Parallel zur Landflucht in der Türkei kamen viele der so genannten „Schwarzen Türken“ mittels Anwerbeabkommen nach Deutschland und Österreich. Auch sie brachen aus dörflich-traditionellen Strukturen auf und siedelten sich in den Randbezirken von Städten an: Istanbul, Izmir, aber auch Köln und Wien. Das dürfte auch der Grund für die Beliebtheit des türkischen Ministerpräsidenten in der türkischen Diaspora sein, denn die Gastarbeiter und deren Nachfahren sehen in Erdogans Biographie die eigene. Und auch wenn Erdogan und seine Familie mittlerweile vermögende Leute geworden sind, bleibt für Erdogan die Karte „Schwarze Türken“ immer noch ein Ass – egal ob in der Türkei oder in der europäischen Diaspora.

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