Wie die AKP „ihre“ Geschäftsmänner päppelt

BMC Türkei stellt Lastkraftwagen und auch militärische Nutzfahrzeuge her. Über 3500 Arbeiter sind im Werk in Izmir beschäftigt. Der BMC Kirpi etwa wird  von der türkischen Armee in rauen Mengen bestellt, weil er insbesondere gegen Minen effektiven Schutz bieten soll (PKK legt im Südosten gerne Minen). Doch BMC kam in Zahlungsschwierigkeiten und wurde sehr schnell von der staatlichen Stelle TMSF „verstaatlicht“. Die Produktion wurde seit dem weitergeführt, die militärischen Laster für die türk. (aber auch tunesische) Armee weiterhin, wenn auch mit Verspätung, ausgeliefert.

Nun war es offenbar Zeit geworden die Firma doch wieder in die Hände der Privatwirtschaft zu geben. 985 Mio. Lira wollte der Staat für einen Verkauf / Re-Privatisierung haben und lud zum öffentlichen Bieterverfahren. Bis hierhin ist im Grunde alles im grünen Bereich.

Ein Angebot, das man nicht abschlagen kann

Das Problem zunächst: Es fand sich nur ein Bieter. Und dieser Bieter wollte partout die 985 Mio. nicht zahlen, sondern eröffnete bei knapp 500 Mio. Lira. Das Problem wurde größer: Denn der einzige Bieter wollte nicht nur viel weniger bezahlen, sondern war/ist auch kein Unbekannter. Das Problem wurde geradezu sittenwidrig, als man den Namen des Bieters erfuhr: Ethem Sancak.

Sancak ist ein Pharmazie-Tycoon, der aber auch Aktivitäten im Medienbereich forcierte, die Star Media Group einige Jahre im Besitz hatte und diese auf eine AKP-nahe Linie brachte. Er hat die Star Media Group zwar 2009 wieder verkauft, aber seine ehrenamtliche Tätigkeit für die AKP weitergeführt.

Sancak war später so „gnädig“ und erhöhte sein Angebot auf knapp 725 Mio. Lira. Einer der wichtigsten Nutzfahrzeughersteller wird somit aller Wahrscheinlichkeit nach in den Besitz eines Mannes übergehen, der eine aktive politische Funkion innerhalb der AKP ausübt.

Oligarchie?

Die Gefahr einer oligarchischen Degeneration der AKP-Regierung beschwört ja die Gülen-Gruppe (allerdings erst seit kurzem), aber unabhängig von dieser Gruppe ist dies nicht der erste Fall, sondern geradezu exemplarisch wie extraktiv und politisch motiviert die AKP „ihren“ Geschäftsmännern Möglichkeiten gewährt, um gegen die verhasste (weil laizistische) Wirtschaftselite der Koc’s und Dogan’s vorzugehen.

Und unabhängig von den Diskussionen rund um Erdogan und seine AKP ist folgendes festzuhalten. Ein extraktives, gar oligarchisches Wirtschaftssystem ist nicht nur „ungerecht“, sondern viel mehr schädlich und nicht im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung. Wirtschaftswissenschaftler Daron Acemoglu lässt da grüßen.

Und abschließend eine bekannte türkische Weisheit: „Siyaset ile gelen, siyaset ile gider“.
Salopp übersetzt: Wer mit der Politik kommt, der geht auch mit der Politik.
In diesem Sinne einen fröhlichen 1. Mai.

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