Kurdische Parteien in der Türkei

Auch wenn die PKK-nahe BDP in der Türkei eine quasi dominante Stellung im türkisch-kurdischen Parteienspektrum inne hat, ist sie bei weitem nicht die einzige Formation, die es in der Türkei gibt.

Die BDP, die früher DTP hieß, kommt aus einer politischen Tradition, die man salopp als „Apoismus“ bezeichnen könnte: Abdullah Öcalan, der PKK-Gründer, ist für seine Anhänger (sprich die Anhänger der BDP) der Held des kurdischen Volkes und unangefochtene Führungsfigur in Kurdistan. Öcalan, der seine PKK nach stalinistischem Muster gegründet hatte, „überwand“ den Stalinismus irgendwann und sprach fortan von „demokratischer Autonomie“ für die türkischen Kurden. Diese Konzept kann man hier kurz nachlesen. Was konkret mit einer entsprechenden „Autonomie“ gemeint ist, ist bestenfalls zu erahnen und in der türkischen Öffentlichkeit hat man bis dato kaum über die ideelle (Neu-)Ausrichtung der PKK/BDP gesprochen.

Öcalan mag den Stalinismus offiziell für überwunden erklärt haben, aber an der Basis seiner Anhänger war der Stalinismus als Ideologie ohnehin nie „populär“. In Anlehnung an den türkischen Journalisten Rusen Cakir könnte man auf folgende Weise aufschlüsseln: Die politische Elite, die heute die BDP führt, ist dezidiert links und internationalistisch ausgerichtet, die Basis der meist jungen und arbeitslosen Anhänger allerdings orientieren sich am Nationalismus.

Die große „Leistung“ der PKK innerhalb der kurdischen Gemeinde bestand darin, alle oppositionellen Kräfte respektive Gruppen entweder aus dem Feld zu schlagen oder zu inkorporieren. Dieses Quasi-Monopol in der Türkei wurde noch einmal verstärkt durch die Lage im Iran und vor allem in Syrien. Mit „Rojava“ und der dortigen PKK-Schwesterpartei gelang es den „Apoisten“ auch die syrischen Kurden mehr oder weniger zu einen. Barzani-nahe Kurden haben etwa in Qamischli/Syrien daher wenig zu lachen, was uns wiederum zu zwei Kleinparteien in der Türkei bringt.

Die HAK-PAR ist eine Neugründung und der Obmann ist der bekannte Sozialist Kemal Burkay (mein ITV mit ihm hier ). Kemal Burkay ist bekannt, ein alter Hase der kurdischen Sache und vor allem für absoluten Gewaltverzicht. Natürlich fehlt es seiner Partei an den (gewachsenen) Strukturen einer BDP, auch materiell und medial ist die HAK-PAR nicht gerade begünstigt, doch ihre leichte pro-Barzani Haltung (oder ist es doch eine leichte Anti-Öcalan Haltung ?) könnte eine interessante Wendung im Spiel bringen.

Denn Barzani fürchtet nicht nur eine Umklammerung durch die Apoisten (Türkei, Syrien und Iran), sondern hat insbesondere mit der YPG in Rojava/Syrien seine liebe Not. Nicht zufällig tauchte Barzani daher im November in Diyarbakir an der Seite Erdogans auf. Denn Barzani und Erdogan mag vieles trennen, doch sie teilen eine eher konservativ/traditionelle Einstellung (im Gegensatz zur PKK/BDP Führungsriege). Nun wurde vor wenigen Tagen eine neue „kurdische“ Partei in der Türkei gegründet und diese T-KDP (Barzanis Partei im Irak heißt KDP) könnte durchaus all jene ansprechen, die sich von Öcalan nicht angesprochen fühlen. Offiziell hat die T-KDP nichts mit der KDP zu tun, aber wer glaubt schon an Zufälle? Die T-KDP könnte mit dem Geld Barzanis und einem politischen Zugpferd (Burkay?) durchaus einen Gegenpol zu den Apoisten in der Türkei bilden.

Noch ein paar Worte zu einem Player, der aus der Versenkung zurückgekehrt scheint: Die türkisch-kurdische Hizbullah. Da die meisten Kurden traditionell und fromm sind, buhlen nicht nur türkisch-konservative Parteien um ihre Stimmen, sondern auch „kurdisch-islamische“. Die HÜDA-PAR ist der zivile Arm der Hizbullah und diese Partei konnte bei den Kommunlwahlen in konservativ/kurdischen Provinzen durchaus (erste) Achtungserfolge erzielen (siehe Batman, Diyarbakir, Mus,…) und damit wiederum die AKP ärgern.

Fazit

Öcalan bekommt zusehends Konkurrenz in „seiner“ Türkei. Die politische Diversifizierung unter den türkischen Kurden nimmt zu, vor allem seit der Waffenstillstand zwischen der türkischen Armee und der PKK ein besseres Klima für die Menschen vor Ort geschaffen hat.

Barzanis Schritte sollten genau verfolgt werden, da sich zwischen Öcalan und dem Barzani Lager wegen Rojava viel Konfliktpotenzial aufgestaut hat.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s