Zur Unmündigkeit verdammt #schauhin

Ich will nicht leugnen, dass das herrliche und befriedigende Gefühl der Opferhaltung eine süße Abhängigkeit hervorrufen kann. Der süße Nektar, den man allzu gerne schlürft und aus scheinbar reiner Nächstenliebe noch seinen Mit-Betroffenen anbietet oder sie gar dazu verleitet zu kosten. Doch einmal gekostet, einmal in den Kessel des Selbstmitleids gefallen und es ist ganz schwer, je wieder von diesem verführerischen Trip wegzukommen.

Manchmal erscheint es auch wie die Option der Ausweglosigkeit. Die Opferhaltung wirkt einem Hallizunogen gleich, das die bittere Realität kaschiert und das triste Los für eine kurze Weile aufzuhellen scheint. Die wie von einer herkömmlichen Droge geschlagenen Wesen suchen – wenn möglich – die Nähe zu einander und harren auf den nächsten Schub, den nächsten Kick.

Und dieser Kick kündigt sich in Form von medialer respektiver öffentlicher Interessenbekundung an. Wenn eine Journalistin der Mehrheitsgesellschaft etwa, diesen Wesen einen kurzen Einzeiler gewährt. „Sie haben mich Kümmeltürke genannt!“, und schon ist der Beitrag des Süchtlings zu Ende. Doch die Befriedigung, die einem das Gesagte verschafft, die strömt über den sozio-emotionalen Äther zurück und verheißt Genuss und Selbstbeweihräucherung, wenn auch nur kurz. Und man wartet auf den nächsten Scheinwerfer oder den nächsten Hashtag-Trend auf Twitter.

 

Von der Gefahr der Selbstentmündigung

Und während die Junkies des Selbstmitleids – diese Parade des Jammers in all seinen Facetten und Formen – Schub um Schub Befriedigung suchen, sind sie kaum noch in der Lage die eigentliche Gefahr zu wittern. Denn sie lauert für den nüchternen Verstand klar zu sehen am Rande der Lichtung. Die Selbstentmündigung. Die bereitwillige Aufgabe einer aktiven Rolle in der Gesellschaft. Die emotionale Infantilisierung, die man nicht bemerkt, die aber tatsächlich eintritt.

Wenn eine Frau mit Kopftuch in Mitteleuropa klar benachteiligt und ausgegrenzt wird, so ist das ein Verbrechen. Und genau so muss diese Problematik angegangen werden. Ein Verbrechen wird aufgeklärt (und den Verbrechern nachgegangen), in dem man sich von der Tat emotional distanziert, nüchtern analysiert und letztendlich aufklärt. Die Reaktion auf das Verbrechen und die darauffolgende rationale Tat sind also entscheidend.

Die Jammerer allerdings befinden sich jenseits des Absperrbandes, beklagen den Rassismus, den Niedergang menschlicher Werte und fragen sich, wie alles so weit kommen konnte. Und während sie sich insgeheim am Leid selbst ergötzen, das Verbrechen möglicherweise herbeisehnen, um wieder ihre Klagelieder anzustimmen, geraten jene in Verzweiflung, die aktiv sein wollen, die aktive und mündiger BürgerInnen einer Gesellschaft sein wollen. Gerade weil (sic!) sie ihre Gesellschaft zuweilen benachteiligt, zu entmündigen sucht oder gar niederhalten will.

2 Gedanken zu “Zur Unmündigkeit verdammt #schauhin

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