(Unbearbeitetes) Interview mit Pro-Assad Milizchef Mihrac Ural

Frage: Sind in ihrer Miliz lediglich arabischstämmige Alawiten?

Unsere Miliz ist im Grunde aus einer Reaktion des Volkes entstanden. Ich würde unsere „Mukaveme Suriyyi“ (PFLI/Syrian Resistance) auch nicht als Miliz bezeichnen, sondern sie in der Tradition der Resistance in Frankreich gegen die Hitler’sche Besetzung sehen. Daher sind bei uns alle Ethnien und Religionen vertreten. Der Anteil der arabischstämmigen Alawiten entspricht daher auch der in der Region lebenden Alawiten.

Frage: Gibt es türkische Staatsbürger unter ihnen?

Tausende von türkischen Staatsbürgern wollen für die PFLI kämpfen. Doch im Augenblick akzeptieren wir ihre Anfragen nicht. Wir wollen, dass alle vor Ort, also in ihren Ländern für den Frieden einstehen. Wir empfehlen diesen Menschen sich friedlich gegen den Neo-Osmanismus des Diktators Erdogan  einzusetzen.

Die wenigen Kameraden aus der Türkei sind all jene, die vor dem Putsch 1980 geflohen sind und in Syrien Aufnahme gefunden hatten.

Frage: Wie bewerten sie die Entscheidung der USA den Rebellen bessere Waffen zu liefern?

Die Amerikaner sind ja von Anfang an in diesem schmutzigen Krieg involviert. Die Amerikaner wollen Syrien kontrollieren, dabei geht es natürlich um Ressourcen, aber auch um BOP (Anm., angeblicher Plan der USA zur Umgestaltung des Nahen Ostens). Nach dem die Israelis zuletzt 2006 im Libanon an der Verwirklichung dieses Plans gescheitert sind, haben diese Kräfte Syrien nun direkt angegriffen.
Im Grunde machen die Amerikaner nun offiziell das, was sie inoffiziell von Anfang an gemacht haben.

Frage: Abdullah Öcalan und sie sind ja alte Bekannte, gibt es eine Kooperation zwischen PKK und ihrer „Mukaveme Suriyyi“?

Der Putsch von 1980 hat uns türkeistämmige Revolutionäre ja nach Syrien gespült, was uns damals als der sicherste Zufluchtsort galt. Syrien sehe ich als meine eigentliche Heimat, auch weil die meisten meiner Verwandten schon immer hier in Syrien gelebt haben. Nach unserer Ankunft haben wir damals ein antifaschistisches Bündnis mit Namen FKBDC gegründet, da war unter anderem auch Abdullah Öcalan dabei.

Damals waren wir mit dem kurdischen Volk Schulter an Schulter. Allerdings gab es auch Meinungsverschiedenheiten und zuletzt begannen kurdische Politiker in der Türkei mit dem Friedensprozess, was uns gerade wegen dem Diktator Erdogan und seinen Ambitionen natürlich missfällt. Aber wir glauben, dass das kurdische Volk sich nicht dem Diktator unterwerfen wird und wir sahen ja, dass die Proteste rund um den Gezipark auch von Kurden mitgetragen wurden.

Frage: Koordinieren sie sich mit der syrischen Armee seit Beginn des Bürgerkrieges?

Zu aller erst es gibt keinen Bürgerkrieg in Syrien. Sensationshungrige Medien versuchen ein solches Bild zu kreieren. Immerhin funktioniert der Staat in 13 von 14 Provinzen ohne Einschränkungen. Auch meine Kameraden und ich halten hier im Norden Latakias die Stellung, um einsickernde Terroristen abzuwehren. Doch währenddessen verbringen gleich hier in der Nähe des berühmten syrischen Badeortes Ras al Basit die Menschen ihren Urlaub am Meer.

Ich will damit sagen, wenn es keine Intervention von außen geben würde,  wäre es in Syrien ruhig und friedlich.

Frage: Sie werden in der Türkei für den Bombenanschlag in Reyhanli verantwortlich gemacht, sie weisen das von sich und sagten, sie würden sich bei einer Garantie eines fairen Verfahrens der Anklage stellen?

Ja, dazu stehe ich, ich wurde infamerweise beschuldigt. Niemals würde ich der Türkei oder den Menschen in der Türkei in irgendeiner Weise schaden wollen. Wenn man mir ein faires Verfahren ermöglichen würde, würde ich meinen Verleumdern gerne entgegentreten.

Frage: Zehntausende vor allem sunnitische Araber leben nun in den Grenzprovinzen der Türkei. Glauben sie, dass diese das fragile Gleichgewicht der Ethnien und Konfessionen vor Ort stören könnten?

Die Antwort auf ihre Frage haben ja bereits die Menschen in Hatay, Adana und Gaziantep gegeben. Noch bevor die Lage in Syrien eskaliert war, hatte der Diktator (Anm,. Erdogan) bereits Zeltstädte und Auffanglager entlang der Grenzen errichten lassen. Und danach begannen die salafistischen Terroristen über die ganze 910 km lange türkisch-syrische Grenze einzusickern.

Die Zusammensetzung der Bevölkerung vor Ort ändert sich und wenn diese Flüchtlinge dann eingebürgert werden, hätte die AKP viele dankbare Wählerstimmen. Daher wehrt sich auch die örtliche, angestammte Bevölkerung in der Türkei gegen diese Bestrebungen Erdogans.

Frage: Sie wurden für den Bombenanschlag von Reyhanli verantwortlich gemacht, meinten aber im Interview mit der türkischen Zeitung „Radikal“, es wäre ein Komplott Israels?

Es war eine reine Verleumdungskampagne gegen mich. Auch etwa das Massaker in Banyas verurteile ich aus ganzem Herzen. Es war eine Barbarei, was dort geschah. Ich sage, dass die dortige al-Nusra Gruppe für das Massaker verantwortlich ist, da sie nur auf diese Weise Latakia zu einem Schlachtfeld machen können.

Es stimmt, dass ich in der Region bei einem Begräbnis zugegen war, doch meine dortigen Aussagen wurden aus dem Kontext gerissen, da ich sie im Rahmen eines Begräbnisses gesprochen hatte und natürlich nicht in Bezug auf das Massaker in Banyas. Des Weiteren war ich zu diesem Zeitpunkt auch nicht in Banyas. Denn meine PFLI/Syrian Resistance hält die Grenze im Norden Latakias. Die Wörter, die ich verwendet habe „Tahirir“ (Rettung) und „tathir“ (Säuberung) sind klare militärische Begriffe, die ich auf die Terroristen bezogen hatte und natürlich nicht auf die Mitglieder anderer Konfessionen und Ethnien.

Auch der Bombenanschlag in Reyhanli wurde mir zur Last gelegt. Aber warum soll ich, meine Nachbarn, Freunde und Verwandten gefährden oder töten wollen, frage ich. Schließlich bin ich in Hatay geboren worden.

Frage: Auch wenn sie seit 1980 in Syrien leben, sind sie in den sozialen Medien sehr aktiv und zwar auf türkisch?

Ich bin in Syrien ein anerkannter Flüchtling. Ich sehe Syrien auch als meine natürliche Heimat, da die Region Antakya (türkische Provinz Hatay) historisch immer ein Teil Syriens war. Doch meine politische Sprache ist Türkisch. Da mein Zielpublikum in der Türkei lebt. Ich liebe die türkische Sprache, auch wenn ich nach so vielen Jahren das Arabische natürlich auch immer stärker in meinen politischen Statements verwende.

Hier geht’s zum Mihrac Ural Feature im Standard

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