Der Umgang mit Skandalen und die politische Kultur

Eine banale Polizeikontrolle in der südtürkischen Provinzhauptstadt Hatay. Wie so oft ein jugendlicher und übermütiger Fahrer hinter dem Lenker, doch was der kontrollierende Polizist nicht abschätzen konnte, dass er nicht einen Normal-Brüger angehalten hatte, sondern den örtlichen AKP Jugendche, der gleichzeitig mit dem Sohn eines AKP Abgeordneten befreundet war.

Der Polizist wollte einen Ausweis sehen und die obligatorische Strafe aussprechen, doch der übermütige Jüngling – so berichten zumindest oppositionelle Medien – meinte, der Polizist solle ihm in die Augen blicken, er wüsste ja nicht, wer der Jüngling sei (und wie wichtig sich dieser wohl wähnte).

Der Polizist war tapfer und schrieb den Strafzettel, doch der Dienst sollte im weiteren Verlauf noch eine Überraschung für ihn haben:
Denn 1-2 Stunden später, stand der Polizist mit anderen der gleichen Schicht Spalier und musste eine Zettel mit einer Zahl hochhalten. Ihm gegenüber stand der Jüngling, denn er hatte sich bis zum AKP Abgeordneten hochtelefoniert und dieser wiederum die örtliche Polizeistelle telefonisch „informiert“.

Der Polizist wurde also gedemütigt, strafversetzt (mit sofortiger Wirkung) und obendrein wurde sein Vorgesetzter, der die würdelose Behandlung seiner Leute nicht hinnehmen wollte, ebenso strafversetzt. Dieses Land ist die Türkei und es ist das Jahr 2012, wir sprechen also nicht von den berüchtigten „anderen Zeiten“.

Natürlich wurde entsprechendes Bildmaterial, das nun von (nicht allen – bemerkenswerterweise) Zeitungen und TV Kanälen übernommen und thematisiert worden ist, „geleaked“ und höchstwahrscheinlich von eben jenen gedemütigten Polizisten, die nun fürs erste genug haben dürften von der AKP.

Mediales Echo und AKP Reaktion

Nach dem „Leak“ war die AKP natürlich um Schadensbegrenzung bemüht, denn es stehen Landtagswahlen bevor und die AKP galt und gilt als „Anti-Eliten-Partei“, wobei man natürlich definieren hätte sollen, was denn als Elite begriffen wird; denn mit Elite meinte man offenbar die alte, kemalistische Oberschicht, die so genannten „Weißen Türken“. Weiter im Text.

Nun wurde also der Abgeordnete, sein Sohn und der AKP Jugendchef Hatays einbestellt und angehört. Eine disziplinare Maßnahme werde aber erst möglich sein, wenn die „ganze Lage“  klar sei.

Immerhin – und das ist die alte türkische Krankheit – muss man immer den Künder einer unfrohen Botschaft verantwortlich machen und möglichst die Botschaft an sich überhören. So geschah es auch, dass man nun nach dem Verantwortlichen für den „Leak“ suchen will und gewisse Theorien aufstellt, im Hinblick auf die nahenden Landtagswahlen und den Zeitpunkt des Leaks.

Krankheit und Symptomatik

Elitarismus, Misstrauen gegenüber dem Rechtsstaat und das (Vor-)Recht des Stärkeren sind nach wie vor, und ich sage es als nüchterner Beobachter, trotz (!) AKP Ägide unverändert geblieben. Die eine Elite ist gegangen, eine neue hat sich die post-osmanische „Pascha“ Mentalität erhalten und das ist im Hinblick auf die Ambitionen der Türkei eher unvorteilhaft, um es vorsichtig auszudrücken.

Hier ist das Foto von der der ungewohnten Gegenüberstellung zu sehen:
Link

Zeilen zum Nachdenken, häufen sich dieser Tage…

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