Das Fehlen israelischer Selbstkritik

Das Thema ist ja nach wie vor heiß. Nun hat es scheinbar das östliche Mittelmeer erreicht:

Südzypern will nach Gasvorkommen vor der Küste bohren lassen, amerikanische und israelische Firmen sich beteiligen. Nordzypern und die Türkei verweisen auf strittige Seezonen und wollen erst einmal geklärt haben, ob die Südzyprioten dort überhaupt bohren dürften. Daraufhin lässt Südzypern ausrichten, es werde sich nicht abbringen lassen.

Dies alles geschah im Schatten des aktuellen Konflikts zwischen der Türkei und Israel. Doch nun etabliert sich allmählich eine großgriechisch-israelische Allianz, die ihre Feuertaufe mit der Bohrung nach Gas im östlichen Mittelmeer erleben will. Jüngst hat Südzypern seine Streitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt, Griechenland seine Solidarität mit dem Süden der Insel bekundet (der Traum großgriechischer Nationalisten) und Israel hat gewarnt. Nicht etwa in Bezug auf Südzypern, aber im Zuge des Streits mit der Türkei stand im Kurier:

Der israelische General Eyal Eisenberg warnte gar vor einem „totalen Krieg“ im Nahen Osten und schloss auch den Einsatz von Massenvernichtungswaffen nicht aus. Er wurde zwar vom Verteidigungsminister zurückgepfiffen, aber Experten schließen eine militärische Konfrontation nicht mehr aus.

Das ist der Stoff aus dem der Kalte Krieg gemacht war, nicht? Aber was diese Aussage vor allem ist, ist eine klare Aufforderung an Ankara, Kairo, Riad und Teheran sich unbedingt nuklear zu bewaffnen. Denn anscheinend ist ein so genanntes „Gleichgewicht des Schreckens“ notwendig, um den Hitzköpfen des Nahen Ostens via der normativen Kraft des Faktischen Mäßigung zu verordnen. Das gilt in diesen Tagen insbesondere für den Rechtsaußen Israels, Lieberman.

Bunkermentalität Tel Avivs:

Wie kann es kommen, dass die politische Gesellschaft eines Landes dermaßen eindimensional sehen und agieren kann?

Mustafa Akyol, türkischer Autor und Journalist gibt eine mögliche Antwort darauf:

Instead of honestly pondering, “Why do they hate us?” they rather seem to give a ready answer: They hate us because they are maniacs.

The world is against us! And the problem, of course, is with the world, not „us“.

I know this self-righteous mindset well, because my country, Turkey, has been infected with it too. It has been our common attitude with regards to Armenians and Kurdish nationalists. We believed that we did nothing wrong to them, and that the only problem was their zealous and treacherous ways.

Ohne Worte will ich diese Worte wirken lassen und in der Hoffnung, die konstruktiven Kräfte in Tel Aviv und anderswo, aber eben auch und insbesondere in Tel Aviv, mögen wieder bestimmend und mäßigend werden und wirken.

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