Stille „Islamkritiker“ und die arabische Welt

In Ägypten traf es Mubarak, im Iran, im Jemen, im Oman, in Bahrain und natürlich auch in Lybien rumort es oder es wanken gar ganze Regime, die uns über die Jahre und Jahrzehnte ja regelrecht ans Herz gewachsen sein müssen; zumindest muss Gaddafi einigen westlichen Parlamenten, Präsidenten und Journalisten ans Herz gewachsen sein, schließlich dauerte und dauert es bis sich Länder wie Italien oder eben die USA dazu durchringen konnten Gaddafi und seine irre Kamarilla von Familienangehörigen und Söldnern politisch und diplomatisch zu isolieren (im Falle des Teheraner Regimes ging und geht es ja viel flotter).

Natürlich geht es um das Öl, um Geldflüsse (Stichwort Haider – Saif al Islam Gaddafi – FPK ), ja sogar um Firmenbeteiligungen des Familienclans, die wiederum die entsprechenden Regierungen in Europa zu übertriebener Vorsicht motivierte. Natürlich. Aber das ist ja ohnehin alles wenig überraschend, denn sowohl die westlichen Politiker als auch die arabischen Potentaten standen und stehen in einer gewissen Hassliebe zu einander. Gaddafi beschwert sich über die USA und Israel und das tut er natürlich live via ABC, Saleh aus Jemen, ehemals Verbündeter im „Kampf gegen den Terror“, verweist nach Tel Aviv und Washington und will nicht wahrhaben, dass ihn die eigenen Leute einfach satt haben könnten. Diesen Umstand hat sogar die ehemalige US Außenministerin Rice in einem ZEIT Interview – wenn auch zu spät – erkannt (siehe: http://www.zeit.de/2011/09/Interview-Rice).

Wir haben also augenblicklich einen irren Diktator in Tripolis, der sich mit seinen Söldern, seinem Senfgas und seinem Familienclan verbarrikadiert hat und nicht abdanken will. Leider wissen wir, dass es keinen oder zumindest kaum Idealismus in der westlichen Außenpolitik gibt. So müssen wohl die libyschen Aufständischen die beiden letzten Bastionen selbstständig stürmen, auch wenn ein US-amerikanischer Trägerverband in die Nähe  Tripolis kreuzen wird.

Ich hoffe und vertraue auf die tapferen Menschen in Lybien, so dass sie auch noch das letzte Wegstück unbeirrt gehen werden. Insallah!

Doch in diesen Tagen des Aufruhrs und der Umwälzungen in der arabisch / islamischen Welt gibt es auch diejenigen, die man vormals kaum mehr überhören konnte, doch die im Augenblick in Angststarre erstarrt sein könnten. Ich rede von dieser ominösen Gattung der „Islamkritiker“, die angesichts ihrer These vom bösen Islam und dem guten Westen (der Film „300“ zeigt meiner Meinung nach den schlimmen Geisteszustand der westlichen Welt gut auf) nicht mehr zu wissen scheinen, wie sie mit diesen Volkserhebungen gegen diktatorische Regime umgehen sollen. Eigentlich müssten sie es gut finden, wenn sie dies aber laut sagen würden, wäre ihre ganze, schöne Existenzberechtigung dahin und deswegen schweigen die Straches, Le Pens und Wilders und dürften insgeheim auf den Fortbestand der diktatorischen (und leider oftmals vom Westen protegierten) Regime hoffen. Denn was sollte ein Strache ohne Moslembashing denn machen? Er kann ja schlecht ein eigenständiges Wahlprogramm entwickeln und sich einem fairen Wettbewerb um die besten Ideen stellen – das wäre ja anstrengend. (siehe: http://derstandard.at/1297819126912/Islam-Kritiker-schweigen-Rechts-herrscht-Ruhe)

Wir sehen also, dass die arabischen Volksmassen nicht nur ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen und damit Wundervolles leisten, nein, sie zwingen auch die vermeintlichen Apostel der Freiheit ihre Verlogenheit und Doppelzüngigkeit preis zu geben und dafür will ich ihnen ganz herzlich danken.

Und ja, ich bin ein Naivling und träume von einem Nahen und Mittleren Osten ohne Söldner, ohne Bassijis, mit Parlamenten, einer lebendigen Medienvielfalt und der Chance den tatsächlichen zivilisatorischen Rückstand auf die vornehmen Länder Europas aufzuholen.

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