Von islamistischen Spießbürgern

Heute früh durfte ich in der Presse-Online folgenden Artikel lesen:

http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/610527/Schwerpunkt-Integration?_vl_backlink=/home/index.do

Der frühere Liebling der österreichischen Politik wurde in nur wenigen Jahren zu einem „Enfant terrible“. Die Rede ist von der ATIB und diese ATIB wurde dazumal gegründet, um den Auslandstürken einen Mainstream-Islam in der Fremde zu bieten. Erfahrungen wie mit der FIS/GIA in Algerien, deren Führungskader zu einem großen Teil in Frankreich „islamisiert“ worden war oder eben Phänomene wie der islamistische Irrsinige Metin Kaplan vom Kalifatsstaat sollten auf diesem Wege verhindert oder zumindest bekämpft werden. Der türkische Staat wollte und will also einen Islam, der nicht militant, gesellschaftsfähig selbst in der Fremde und kompatibel zu gewissen „westlichen“ Werten sein soll.

Natürlich könnte man bereits an dieser Stelle protestieren und meine Objektivität anzweifeln, doch dem will ich Folgendes entgegenhalten: Ich bin kein Fan des dirigierten, domestizierten Staatsislam und erzreaktionäre Auslegungen konnte auch ein Staatsmonopol auf den Glauben nicht verhindern – weder in der Türkei, noch im deutschsprachigen Raum. Dennoch bin ich verpflichtet offenkundigen Blödsinn (man verzeihe mir meine Wortwahl) als Blödsinn zu entlarven.

Im Presse Artikel wird der Eindruck erweckt, die ATIB stünde im Verdacht islamistisch zu sein. Wer solche Verdachtsmomente äußert dürfte ja klar sein und soll uns an dieser Stelle nicht weiter interessieren. Aber eine notwendige Frage steht ja im Raum: Wenn die ATIB gegründet wurde und unterhalten wird, um die türkischen Staatsbürger und Auslandstürken  ja  von Militanz und der Verlinkung von Religion und Politik (din wa dawla – Prinzip) abzuhalten, dann erscheint obiger Artikel reichlich fragwürdig.

Weiter im Text: ATIB wäre ja von Ankara aus gesteuert, lautet der Vorwurf. Ja, aber dies ist nichts Neues und so offensichtlich, dass diejenigen, die das Offensichtliche als Verschwörung feilzubieten suchen, sich letztendlich der Lächerlichkeit preisgeben müssen. Der türkische Staat bietet hier einen nicht ganz uneigennützigen Service an, auch weil er nicht das Schicksal von Ländern wie Algerien oder des Irans teilen will. Die türkischen Communitys sollen keinen sozio-revolutionären Islam favorisieren, sie sollen den Glauben als etwas Apolitisches sehen und wahrnehmen.

Dann soll Cengiz Günay vom OIIP gesagt haben, dass die ATIB ein ähnliches Islamverständnis wie die AKP Regierung haben würde, was wiederum widersinnig ist, weil das kemalistische Verständnis der Diyanet (türkisches „Religionsministerium“) zu keinem Zeitpunkt mit dem Verständnis einer islamisch versierten Partei zusammenfallen kann. Das beißt sich einfach und würde auch nicht erklären können, warum Bardakoglu, also der jüngst zurückgetretene Chef der Diyanet Behörde, aufgrund seiner Äußerungen zum Kopftuch, zum Opferfest etc. gerade im „islamischen“ (salopp formuliert) Lager für Unruhe und Protest gesorgt hat, siehe:

http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/religionsamt-chef-tritt-zurueck/

Die ATIB mag vieles sein und kritisiert werden müssen, aber gewiss nicht, weil sie eine „islamistische“ Agenda verfolgen würde. Die ATIB fiel hierzulande in Ungnade, weil sie sich vor wenigen Jahren entschlossen hat im Rahmen der Glaubensgemeinschaft zu wirken und trotz des öffentlichen Drucks nicht auf die legitime Forderung nach adäquaten Gebetsmöglichkeiten zu verzichten. Das und nur das machte sie wohl „islamistisch“.

Die Presse ist ja pfiffig, denn sie gibt an einen Integrationsfokus zu haben, aber durch einen durchwegs polemischen und letztlich böswilligen Stil zeigt sie, dass es hierbei doch nur um Auflage geht und nicht etwa um Bildung und Erziehung. Eine andere Frage wäre die, wieso diese penetrante Pensionistin von der Dammstraße so viel Möglichkeit bekommt, ihren Irrsinn abzusondern – ich darf an dieser Stelle einen Namen nennen „Gio Hahn“ und folgenden Link setzen: http://www.oe24.at/oesterreich/politik/Schwiegersohn-Gio-Hahn-in-Bedraengnis/531308

Nur noch Islamisten herum oder doch nur banale Hetze?

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